Vom Winde verweht

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Letztes Jahr waren wir für ein Forschungsprojekt über barocke Holzskulpturen aus den Jesuitenmissionen in Südbrasilien.

Das Museu das Missões, in dem wir unter anderem gearbeitet haben, steht in den Ruinen der ehemaligen Mission San Miguel (heute São Miguel) im Bundestaat Rio Grande do Sul.

2015 wurde es von einem Tornado getroffen und stark beschädigt. Der Museumsbau des brasilianischen Architekten Lucio Costa von 1937 zeichnet sich vor allem durch seine großen Fensterflächen aus, die Innen und Außen verschmelzen lassen.

Kratzer und Glassplitter zeugen vom Tornado und verdeutlichen auch die Lage der Museen in Brasilien, in denen finanzielle Mittel fehlen. Foto: Isabel Wagner.

Die Wucht des Tornados, der selbst schwere Bronzeglocken verschob, ließ die Scheiben brechen. Die Skulpturen wurden teilweise mehrere Meter weit aus dem Museum geschleudert. Umherfliegende Glassplitter verletzten die Oberflächen und blieben tief im Holz stecken.

Um schnellst möglich wieder eröffnen zu können, wurden die am wenigsten beschädigten Stücke 2017 zurück in das Museum gebracht. Kratzer und Glassplitter wurden als Spuren der jüngsten Geschichte belassen, auch weil die Kapazitäten für die Restaurierung fehlen.

Besonders beeindruckt hat uns diese überlebensgroße Skulptur der Heiligen Katharina. Die verwitterte Oberfläche zeugt von einer langen wechselvollen Geschichte, der mit den Glassplittern nun noch eine weiter „Epoche“ hinzugefügt wurde. Leider ist der Zustand der Skulptur auch ein bisschen Sinnbild für die Lage der Museen in Brasilien.

Julia Brandt und Isabel Wagner

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