Im Land der Steine

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Für ein Projekt zur Erforschung und Qualifizierung von Fachkräften in Armenien sind derzeit Teilnehmer aus Armenien, Iran, Serbien und Deutschland für drei Wochen an unterschiedlichen historischen Objekten aktiv. Unter ihnen auch vier Restauratorinnen aus Deutschland.

Armenien, das Land zwischen kleinem und großem Kaukasus, gilt als die Wiege der Christenheit. Die Armenische Apostolische Kirche wurde um 300 nach Christi von Gregor dem Erleuchter (um 240–um 331 n. Chr.) gegründet und machte Armenien zum ältesten christlichen Staat der Welt. Nicht umsonst führte die erste Auslandsreise von Papst Franziskus im Jahr 2016 zum Katholikos nach Etschmiadsin, dem Ort an dem einst der Eingeborene auf irdischen Boden herabstieg um den Kirchengründer Gregor erschienen zu sein.

Armenien hat nach dem Genozid am Ende des ersten Weltkrieges große Teile seines historischen Territoriums verloren. Viele bedeutende Zentren des armenischen Kulturerbes befinden sich heute außerhalb der derzeitigen Staatsgrenze. Doch das kleine Land verfügt auch heute noch über einen reichen Schatz an Kulturstätten, in erster Linie Klosteranlagen, Burganlagen und Kirchen, von denen viele heute den Ehrentitel UNESCO-Weltkulturerbe tragen. Immer mehr westliche Touristen reisen heute nach Armenien, auch Hayastan, Land der Steine genannt, um sich auch auf eine Reise zu den eigenen, christlich geprägten Wurzeln zu begeben.

Teilnehmer der Sommerschule 2019 in Armenien (Foto: W. Wedekind)

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Siegfried Siegesmund am Geologischen Zentrum der Georg-August-Universität in Göttingen arbeitet seit Jahrzehnten zur Verwitterung und Konservierung von Naturstein und hat sich, gefördert durch die Volkswagenstiftung, einem Projekt zur Erforschung und Qualifizierung von Fachkräften in Armenien angenommen. Projektpartner auf armenischer Seite ist die Nationale Universität für Architektur und Bauwesen (NUACA) in Jerevan. Erste Ergebnisse konnten bereits in Fachzeitschriften veröffentlicht werden, weitere werden auf dem internationalen Fachkongress STONE2020 in Göttingen präsentiert. Das Kernprogramm umfasst drei Sommerschulen, die von 2019 bis 2021 jährlich in Armenien stattfinden. Auch internationale Teilnehmer bereichern das Teilnehmerfeld.

Derzeit sind Teilnehmer aus Armenien, Iran, Serbien und Deutschland für drei Wochen an unterschiedlichen historischen Objekten aktiv. Unter ihnen auch vier Restauratorinnen aus Deutschland. Zu den Studienobjekten zählen auch die Weltkulturerbestätten der Kathedralenruine von Zwartnots und das Kloster Geghard in den Bergen bei Jerevan. Geleitet werden die Sommerschulen vor Ort von Diplom-Restaurator Dr. Wanja Wedekind, Mitarbeiter am Geologischen Zentrum in Göttingen und international tätiger Dozent für Steinkonservierung, der bereits ähnliche Projekte in Jordanien, Mexiko, Kambodscha und zahlreichen anderen Ländern durchgeführt hat. Dr. Emma Harutyunyan von der NUACA, die ebenfalls zum Kulturerbe Armeniens forscht und promoviert hat, stellt mit ihren Kollegen den einheimischen Organisationsstab.

Teilnehmer der Sommerschule 2019 in Armenien. Hier die Kathedralenruine von Zwartnots. (Foto: W. Wedekind)

Im Zentrum der aktuellen Sommerschule stehen Dokumentations- und Forschungsarbeiten. Diagnostische Messungen und experimentelle Konservierungen runden das Programm ab. Den Teilnehmern wurden die Grundlagen der Geologie, Steinkonservierung und Schadenskartierung vermittelt und die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse auf einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert.

Auch für die nächste Sommerschule können sich internationale Teilnehmer bewerben. Außerdem plant die Fachgruppe Steinkonservierung im VDR im Anschluss an eine der nächsten Sommerschulen eine mehrtägige Studienreise nach Armenien.

Text und Fotos: Wanja Wedekind

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