Auch im Studienjahr 2025/26 hat der VDR erneut Deutschland-Stipendien vergeben. In dieser zweiten Runde wurden vier Stipendiat:innen ausgezeichnet. Wir stellen Ilja Miller vor.
Ilja Miller studiert an der Fachhochschule Potsdam derzeit im zweiten Master-Semester mit dem Schwerpunkt Steinkonservierung. Wir haben mit ihm über seinen Weg in die Restaurierung gesprochen, warum er den Fachbereich gewählt hat und welche Pläne und Ideen er für die Zukunft hat.

VDR: Wie bist du auf das Thema Restaurierung aufmerksam geworden? Gab es damals schon die Motivation den Beruf zu erlernen?
Ilja Miller: Vor meinem jetzigen Studium habe ich Archäologie studiert und mich bei den Ausgrabungen, bei denen ich tätig war, oft gefragt, was eigentlich mit den Objekten weiter passiert. Zuerst wusste ich gar nicht, dass man Restaurierung studieren kann und in meinem ersten Studium blieben die Restauratoren für mich so unfassbar wie die Götter im Olymp. Später habe ich dann eher zufällig mitbekommen, dass man eine Eignungsprüfung für das Restaurierungsstudium an der FH Potsdam machen kann und mich spontan angemeldet. Ich wusste dann ziemlich schnell, dass es genau das ist, was ich machen will, vor allem, weil mich der respektvolle Umgang mit den Objekten, die bei uns Schutz suchen, tief angesprochen hat.
Wie kam es zur Entscheidung für deinen Studienort und den Fachbereich?
Dass ich in Berlin, beziehungsweise Potsdam bleiben wollte, war mir direkt klar. Ich arbeite auch als Gästeführer und mag die Umgebung hier sehr mit all ihren Schlössern und anderen historischen Bauten. Die Steinkonservierung finde ich besonders faszinierend, weil der Stein das Material ist, dass uns aus allen Epochen überliefert ist und mich in seiner Materialität jedes Mal aufs Neue berührt.
Du befindest dich aktuell in Rom. Bist du für dein Studium dort?
Ja, ich mache derzeit ein Auslandssemester mit Erasmus und bin noch bis Ende Juli in Rom. Ich mag die Stadt und wollte etwas Neues kennenlernen. Mich interessiert, wie die Menschen hier arbeiten und welche Techniken sie benutzen. Besonders die Praxis finde ich spannend und ich liebe die zwei Tage pro Woche, die wir in der Werkstatt verbringen. Gerade lernen wir, wie man Steinimitationen malen kann. Ich will aber auch Rom noch besser kennenlernen und habe mir vorgenommen, in meiner Zeit hier jeden Tag eine Sache anzuschauen. Klar liebe ich auch das Essen und die Sprache.
Gab und gibt es besonders spannende Projekte und Vorlesungen im Studium?
Es begeistert mich immer, wenn ich an einem echten Objekt arbeiten kann. Für meine Bachelor-Arbeit habe ich mich mit dem mittelalterlichen Hochgrab des Dompropstes Johannes Zemeke im Halberstädter Dom beschäftigt. Dafür habe ich eine Bestands- und Zustandsanalyse mit Fassungsuntersuchung gemacht und in gewisser Weise eine emotionale Beziehung zu diesem Objekt aufgebaut. Es geht jetzt auch weiter, denn für mein Master-Projekt entwickele ich ein Maßnahmenkonzept zur Konservierung und Restaurierung des Hochgrabes.
Bei den Vorlesungen erinnere ich mich noch gut, wie unsere Professorin Dr. Jeannine Meinhardt zu Beginn des Studiums erklärt hat, wie Steine eigentlich entstehen. Das war sehr spannend und man bekommt ein tieferes Verständnis für sein Studienobjekt. Das hat uns total motiviert.
Bachelor- und Masterprojekt von Ilja Miller: Milletlalterliches Hochgrab des Dompropstes Johannes Zemecke im Halberstädter Dom


Wie geht es im Studium weiter? Hast du schon Pläne für danach?
Bald steht die Master-Arbeit an und ich glaube, dass ich mich danach erstmal daran gewöhnen muss, nicht mehr an der FH zu sein. Das waren dann immerhin mehr als fünf Jahre. Ich bin aber sehr offen für das, was auf mich zukommt und auch sicher, dass ich etwas finden werde. Ich könnte mir vorstellen, in einem Museum oder in der Denkmalpflege zu arbeiten, am besten in einer Kombination aus Theorie und Praxis.
Ich habe bisher auch schon freiberuflich und nebenbei museumspädagogisch in verschiedenen Museen gearbeitet. Workshops und Führungen zu konzipieren gefällt mir gut. An der FH bin ich außerdem ein sogenannter Campusspezialist in der Zentralen Studienberatung. Wir machen Führungen und Workshops für Abiturient:innen an der FH und gehen auch direkt an die Schulen in Berlin und Brandenburg, um dort die FH und den Restaurator:innenberuf vorzustellen.
Gibt es Wünsche, die du an die Hochschule richten würdest? Und an den VDR?
Generell wünsche ich mir von der Hochschule Weiterentwicklung und Wachstum. Die Erfahrungen des 2. Weltkrieges haben die Fragilität unseres kulturellen Erbes sichtbar gemacht. Dieses Erbe muss bewahrt werden und wir als Restaurator:innen spielen eine wichtige und aktive Rolle darin.
Für den VDR wünsche ich mir, dass der Verband eine starke Lobby ist und bleibt, die sich auch außerhalb der eigenen Reihen für das Berufsfeld einsetzt.

Das Gespräch mit Ilja Miller führte Gudrun von Schoenebeck von der Online-Redaktion.

