Junge Restaurator:innen machen sich selbstständig stark_gegründet no.7

Was bewegt junge Restaurator:innen dazu sich selbstständig zu machen? Welche Hoffnungen, Wünsche und Ängste haben sie? Wie viel Mut gehört zur Selbstständigkeit? Über diese Themen sprechen wir mit jungen Freiberufler:innen in der Serie „stark_gegründet“. In der siebten Folge beantwortet Philip Mandrys aus Karlsruhe unsere Fragen.

Gründer: Philip Mandrys
Gründungsjahr: 2021
Unternehmenssitz: Karlsruhe
Rechtsform: Soloselbstständig
Fachrichtung und besondere Kenntnisse: Technisches Kulturgut, Metall, Holz
Studium: TH Köln
Web-Präsenz: https://www.mandrys-restaurierung.de

Warum haben Sie sich zur Gründung entschlossen?

Philip Mandrys: Schon als ich 2002 mit meinem Vorpraktikum begonnen habe, war für mich klar, dass ich mich irgendwann selbstständig machen wollte. Es kam dann zunächst doch etwas anders, denn kurz vor dem Diplom habe ich entdeckt, wie interessant es sein kann, wissenschaftlich zu forschen. In meinem Fachgebiet, dem technischen Kulturgut, habe ich mich dann nicht nur mit der Technik selbst, sondern auch mit den sozio-kulturellen Hintergründen der Objekte und den gesellschaftlichen Auswirkungen beschäftigt. Ich habe mich dann dazu entschlossen, auch den Master zu machen und erhielt ab 2013 die Gelegenheit, als wissenschaftlicher Mitarbeiter mehrere Forschungsprojekte zu konzeptionieren, welche aber leider nicht finanziert wurden.

Ich habe mit befristeten Anstellungen in Museen gearbeitet und fand das zunächst auch schön. Mit der Zeit kippte das aber, denn in den ausgeprägten Hierarchien fühlte ich mich nicht mehr wohl und das System mit den Zeitverträgen halte ich für verantwortungslos, da es den Angestellten keine Zukunftsperspektive und Planungssicherheit bietet. Ich ließ mich dann bei Kollegen, die einen eigenen Betrieb haben, anstellen – obwohl ich ziemlich schnell wusste, dass das nicht funktionieren würde. Das Positive war, dass ich jetzt eine Entscheidung treffen musste, beruflich und privat. Meine Frau unterstützte mich dabei, mich selbstständig zu machen und dann ging es Schlag auf Schlag. Aus privaten Gründen reifte der Entschluss nach Karlsruhe zu ziehen und dann kamen auch schon die ersten Anfragen.

Welche, auch mentale, Hürden mussten Sie möglicherweise überwinden?

Philip Mandrys: Die größte Hürde für mich war, den Entschluss zur Selbstständigkeit zu treffen. Es war mir auch bewusst, dass ich einen Kredit würde aufnehmen müssen und dass ich mir meine Aufträge auch nicht immer aussuchen kann. Mein Weg in die Selbstständigkeit war ja, wie oben beschrieben, wechselhaft und ich kann im Rückblick sagen, dass ich als junger Mensch die notwendige Stringenz und Disziplin wahrscheinlich nicht gehabt hätte. Erfahrung zu haben und vorher auch den ein oder anderen kleinen Auftrag angenommen zu haben, war für mich also ganz wichtig. 

Rein praktisch war es noch eine ziemliche Hürde, eine passende Werkstatt zu finden. Bei technischem Kulturgut ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass man eine ebenerdige große Einfahrt hat. Schließlich hatte ich Glück und mein Vermieter ist jetzt nebenan und hat eine Metallbauerwerkstatt. 

Wie machen Sie Werbung und Akquise für Ihr Unternehmen?

Philip Mandrys: Ich bin im Berufsregister des VDR und bei LinkedIn verzeichnet und habe gerade meine eigene Website fertiggestellt. Ansonsten mache ich so gut wie gar keine Werbung. Ich habe kaum private Kunden, sondern fast alles Ämter und Museen. Technisches Kulturgut ist ein Fachgebiet, das nicht so dicht besetzt ist, weshalb ich eine gewisse Sonderstellung habe. Was ich aber prinzipiell für eine gute Werbung halte ist, dass man sich korrekt und zuverlässig gegenüber seinen Auftraggebern verhält und für eine gute Kommunikation sorgt. 

Wie kann der VDR als Berufsverband junge Gründer:innen unterstützen?

Philip Mandrys: In der Gründungsphase musste ich einen Businessplan erstellen, was gar nicht so einfach war. Vor allem auch weil die Bank keine Ahnung hatte, was man als Restaurator überhaupt tut. Da musste ich viel erklären, aber auch Zahlen vorlegen. Dass ich hierbei auf Zahlenmaterial des VDR zurückgreifen konnte, hat mir immens geholfen. Vielleicht wäre es gut, wenn der VDR regelmäßig, also so aktuell wie möglich, Zahlen und Fakten zur Verfügung stellen könnte.

Wie würden Sie Ihren Kolleg:innen Mut zur Gründung machen?

Philip Mandrys: Ich bin niemand, der Kalendersprüche mag. Man sollte die Gründung und das, was folgt, realistisch sehen. Vielleicht darf ich einige meiner Erfahrungen weitergeben:

  • Eine Selbstständigkeit liegt ganz nah am Privaten, weshalb man Fragen und Themen hierzu sorgfältig im Vorfeld abklären sollte.
  • Die Auftragslage ist nicht immer rosig und man sollte sich bewusst machen, dass man manchmal auch Aufträge annehmen muss, um die laufenden Kosten zu decken.
  • Wenn man zuvor im Kleingewerbe Erfahrungen sammelt, hat man gelernt gut zu kalkulieren und wie man mit Kunden redet. Ich halte es auch für wichtig, dass man schon während des Studiums die Nähe zur Praxis sucht, also bei Restauratoren arbeitet oder Praktika macht, denn diese Erfahrungen braucht man später für die eigene Kalkulation.
  • Ohne Unterstützung und Hilfe geht es nicht: Herzlichen Dank deshalb an meine Frau und an alle Kolleg:innen und Freunde, die mich auf diesem Weg begleiten und unterstützen.


Philip Mandrys in seiner Werkstatt in Karlsruhe

2 Comments

  1. Veröffentlich von Michael Uttenrodt am 20. Dezember 2022 um 12:33

    Super Philip und viel Erfolg! Herzliche Grüße von Michael Uttenrodt

  2. Veröffentlich von Markus Tillwick am 20. Dezember 2022 um 13:37

    Wir wünschen viel Glück und Durchhaltevermögen bei der Selbstständikeit! Wir arbeiten jetzt schon 15 Jahre erfolgreich auf unserem Gebiet und möchten bei dieser Gelegenheit den jungen Kollegen mal Mut machen!!!
    Bei dem Link zur Webpräsens landet man allerdings bei den Kollegen Ihlenfeld und Müller in Hamburg! Auch sehr interessant aber das sollte vielleicht geändert werden.
    Viele Grüße! Markus Tillwick (Lüneburg)

    Anmerkung der Redaktion: Der Link ist jetzt korrigiert.

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