Die Wurzeln des Verbands der Restaurator:innen 25 Jahre VDR: Der Berufsverband der staatlich geprüften Restauratoren (BsgR)

Ein Haus mit Geschichte – und ein Ausbildungsort für die Restaurierung

In der Giselastraße 7, im einstigen Wohnhaus von Lovis Corinth, wird seit 1984 Restaurierung gelehrt und gelebt. Das Goering Institut bildet hier staatlich geprüfte Restauratorinnen und Restauratoren aus. In den frisch renovierten Räumen, in denen noch der Duft von Farbe hängt, treffen wir Institutsdirektor Bernhard Kügler und Dozentin Katrin Prem. Sie waren als Vorstand des Berufsverbands der staatlich geprüften Restauratoren (BSGR) an der Fusion der sieben Restauratorenverbände zum heutigen Gesamtverband VDR beteiligt. Beide schildern ihre Erinnerungen an diese Zeit und geben Einblicke in die Situation der staatlich geprüften Restauratoren damals und heute.

Bernhard Kügler und Katrin Prem im Sekretariat des Goering Instituts im Februar 2026.

Frühe Prägungen: Von der Schreinerbank zur Restaurierung

Für Katrin Prem und Bernhard Kügler beginnt der Weg zur Restaurierung im Handwerk. Kartin Prem wächst zwischen alten Möbeln auf, macht eine Schreinerlehre und findet über Praktika in die Restaurierung.

Bernhard Kügler beginnt ebenfalls als Schreiner, ist jedoch vom Ausbildungsbetrieb enttäuscht – und sucht nach einem Weg, der Handwerk und Kultur verbindet. „Mein Vater war archäologisch geprägt“, erinnert er sich zurück. „Vielleicht kam daher meine Neigung.“ Wie damals üblich, absolviert er mehrere Jahre Praktika, arbeitet sodann als Restaurator, als sein Arbeitgeber ihn auf die Idee bringt eine Ausbildung zu machen. Seine Bewerbung an der Fachhochschule in Köln scheitert aus terminlichen Gründen. München wird zur Alternative – und zum beruflichen Zuhause. Nach drei Jahren Ausbildung ist Bernhard Kügler von 1991 bis 1997 als Werkstattleiter in einer größeren Firma tätig und bleibt während dieser Zeit in regelmäßigem Kontakt mit Herrn Goering. 1997 erfolgt schließlich der Einstieg als Dozent, 2003 übernimmt nach dem plötzlichen Tod von Herrn Goering die Institutsleitung.

Auch Katrin Prem erhält in Köln keinen Studienplatz wegen wechselnder Aufnahmebedingungen. Sie erzählt: „Ich hatte mich vor meiner Schreinerlehre auch dort erkundigt. Man sagte mir, das Studium starte ab 1986 und ich solle vorher eine Schreinerlehre machen. Die habe ich gemacht und mich danach beworben. Dann hieß es: ‚Die Kriterien haben sich geändert. Sie brauchen jetzt nicht mehr drei Jahre Schreinerlehre, sondern drei Jahre Praktikum.´“ Das kann sie nicht akzeptieren und entscheidet sich für ein Studium der Kunstgeschichte in München. Etwa zur Studienmitte entdeckt sie auf dem Weg in den Englischen Garten zufällig das Goering Institut und findet hier ebenfalls eine fachliche Heimat. Zunächst als Studentin. Später kehrt sie – genauso wie Herr Kügler – nach etlichen Jahren Berufserfahrung als Dozentin an das Institut zurück.


Außenansicht des Goering Instituts im Februar 2026.

 Das Goering Institut

  • Gegründet 1984 in München
  • Dreijährige Ausbildung zu Staatlich geprüften Restaurator:innen, seit 2021 mit dem Titelzusatz Bachelor Professional Technik
  • Schwerpunkt: Möbel und Holzobjekte
  • 50 % Praxisanteil, 50% Theorie
  • Max. 14 Studierende pro Jahrgang

Der BSGR: Fachliche Stärke und der Wunsch nach Anerkennung

1989 entsteht der BSGR, gegründet vom Institutsleiter Alfred René Goering und Horst-Dieter Jach. Im Vordergrund steht der Wunsch, eine eigenständige Interessenvertretung zu haben und einen Gegenpol zu anderen Verbänden wie dem Berufsverband der Diplom-Restauratoren (BdR) zu bilden.

Kartin Prem und Bernhard Kügler treten, wie es die Statuten des BSGR vorsehen, erst nach ihrer Ausbildung in den Verband ein. Derweil sind sie aber schon Mitglied in Ausbildung (MiAu) in der Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren (AdR). Ihr Interesse an fachlichem Austausch ist groß, und als Alfred René Goering und Horst-Dieter Jach die Verbandsarbeit einige Jahre später an die Jungen abgeben wollen, organisieren sie gemeinsam mit Mitstreitern wie Bettina Kamm, Andreas Kassalitzky und Anja Klün zahlreiche Fortbildungen und Exkursionen – das Netzwerk wächst.

Parallel gibt es erste berufspolitische Vorstöße. „Wir dachten uns, wie kann es sein, dass jeder sich ‚Restaurator´ nennen darf“, berichtet Kügler. „Wir sind zum bayerischen Ministerium gegangen, haben aber schnell gemerkt: Mit rund 70 Mitgliedern lässt sich berufspolitisch wenig bewegen.“ Die Idee einer Fusion der sieben Verbände gewinnt an Bedeutung.

Der Weg zur Fusion: Hoffnung, Konflikte und ein entscheidender Kompromiss

Die Fusion ist ein langer, konfliktreicher Prozess, der 1995 beginnt. Auch der BSGR will sich hier nicht ausnehmen – trotz einiger Gegenstimmen aus den eigenen Reihen, die die Fusion wegen mangelnder Anerkennung der staatlich geprüften Restauratoren kritisch sehen. „Wir haben uns nie gegen eine Fusion gesträubt, sondern klar gesagt: Wenn es eine Möglichkeit gibt, alles unter einen Hut zu bringen, sind wir dabei!“, schildert Bernhard Kügler die Situation.

Unterschiedliche Interessen, starke Persönlichkeiten und harte Debatten prägen die Jahre bis 2001. Horst-Dieter Jach nimmt eingangs an den Gesprächen teil, später legt er diese Aufgabe in die Hände der jüngeren Kollegen. Katrin Prem erinnert sich: „Mit einigen Hardlinern wäre die Fusion nie zustande gekommen. War die Situation verfahren, wurden andere Verbandsvertreter geschickt. So kam man weiter.“

Bernhard Kügler berichtet von aufbrausenden Charakteren und Situationen, in denen Menschen Türen schlagend den Raum verlassen. Daneben gibt es aber auch Charaktere, denen das Gelingen der Fusion letztlich zu verdanken ist. In diesem Zusammenhang lobt er Bruno Heimberg, damals Restaurator und Direktor am Doerner-Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und Mitglied im DRV: „Mit seinem unglaublich ausgleichenden Wesen hat Herr Heimberg manche verfahrene Situation gelöst und die Beteiligten wieder auf eine Basis gebracht, auf der man weiterreden konnte.“ 

Am Ende gibt es für alle einen attraktiven Kompromiss, so Kügler: „Ein geschickter Schachzug war damals, dass man sagte: Alle, die aktuell in den Einzelverbänden sind, werden übernommen – und zwar in ihrem jeweiligen Status. Bei unserer Abstimmung saßen also nur Mitglieder, die wussten, dass sie ihren Status behalten würden.“

Zu diesem Zeitpunkt verbinden die staatlich geprüften Restauratoren mit der Fusion die Hoffnung auf eine stärkere Anerkennung ihres Abschlusses. Diese Erwartung erfüllt sich jedoch nicht.

Nach der Fusion: Ernüchterung und ein neuer Realismus

Die Frage nach der Stellung der staatlich geprüften Restaurator:innen bleibt in den Jahren nach der Fusion ungelöst. Immer wieder wird diskutiert, verhandelt, gehofft – ohne Ergebnis. Weder gelingt es, das Goering Institut an die Technische Universität München anzubinden, noch kann das Institut auf andere Weise den Status einer Fachhochschule oder den Bachelor als Abschluss erlangen – und das trotz intensivster Bemühungen auf allen politischen Ebenen.

Kügler beschreibt einen Wendepunkt: „Irgendwann habe ich gesagt: Jetzt reicht es. Wir sind, wie wir sind. Wir machen unsere Arbeit so gut wie möglich und werden die Ausbildung stetig verbessern.“ Kügler und Prem meinen heute, dass der Erfolg ihnen recht gibt: Die Studienplätze sind begehrt, die Praxisnähe des Lehrplans von rund 50 Prozent überzeugt, und viele Absolventen finden schnell ihren Weg in den Beruf.

Im einstigen Wohnhaus von Lovis Corinth in München wird heute Restaurierung unterrichtet.

Der BSGR

  • Gründung: 1989 durch Horst-Dieter Jach und Alfred René Goering
  • Berufsverband der Staatlich geprüften Restaurator:innen
  • Ziel: fachliche Vernetzung und berufspolitische Vertretung
  • 2001 in den VDR überführt
  • Anzahl der Mitglieder bei Fusion: 79

Ausbildung heute: Praxis, Kooperationen und vielfältige Wege

Das Goering Institut bildet maximal 42 Studierende gleichzeitig aus – pro Jahrgang bis zu 14 Personen. Aktuell sind die Klassen mit 13, 12 und 9 Personen belegt. Ein Drittel studiert anschließend weiter – die meisten satteln einen Master auf, manche studieren Kunstgeschichte. Ein Drittel macht sich selbstständig, ein Drittel arbeitet angestellt.

Die Kooperation mit dem Studiengang Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik an der HTW Berlin ist bisher ein wichtiger Baustein, um Leistungen anzurechnen und Übergänge in das Masterstudium zu erleichtern. Kügler erklärt: „Wir haben das einmal in Stunden hochgerechnet. Rechnet man Unterricht, Selbststudium und Facharbeiten zusammen, steht die Ausbildung an der Fachakademie einem Bachelorstudiengang einer FH in nichts nach. Deshalb haben wir unseren Studienplan in einen fiktiven Modulplan übertragen – mit Unterstützung zweier Professoren der HTW. Auf dieser Grundlage beruht auch eine Kooperationsvereinbarung mit der HTW, die besagt, dass die hier erbrachten Leistungen in ECTS-Punkten einem BA entsprechen.“

Die im Dezember 2025 beschlossene Streichung des Berliner Studiengangs ist folglich auch schmerzhaft für die Absolventinnen des Goering Instituts. Viele sind dort in den Studiengang Technisches Kulturgut gewechselt. Bern als weiterer Studienort mit Kooperation bleibt eine Alternative, ist aber weit weg und mit höheren Studienkosten verbunden. Dort gehen die Absolventen häufiger auch in Bereiche wie die Gemälderestaurierung oder befassen sich mit modernen Materialien. Andere Hochschulen wie die TH Köln wissen mittlerweile, wie sie mit dem Abschluss umgehen. „Dennoch bleibt es dort immer eine Einzelfallentscheidung, ob und zu welchen Bedingungen jemand in das Studium aufgenommen wird.“, erklärt Katrin Prem.

„Wir brauchen klare Regeln“ – Erwartungen an den VDR

Institutsleiter Bernhard Kügler sieht die Professionalisierung des VDR positiv. Die Bündelung der Interessen, die Fachgruppenarbeit, der kollegiale Umgang – all das sei ein großer Fortschritt. „Mich freut auch, dass der VDR eine gute menschliche Ebene gefunden hat.“, resümiert er. Doch ein Punkt bleibt offen, betont Katrin Prem, nämlich die Frage der Mitgliedschaft für staatlich geprüfte Restaurator:innen. Sie formuliert es knapp: „Für unsere Absolventen hat sich nichts verbessert.“ Kügler ergänzt: „Wir brauchen klare Spielregeln, wie diese Ordentliche Mitglieder im VDR werden können – zum Beispiel Ausbildung plus definierte Zusatzkriterien.“

Nachwuchs, Sichtbarkeit und Verantwortung

Beide wünschen sich vom VDR mehr Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchsgewinnung. Kügler betont die Rolle der Schulen und Lehrkräfte als Multiplikatoren. Und sie wünschen sich, dass man sich noch einmal Gedanken über ihre Münchner Absolventen macht. Denn diese wollen durchaus zum Verband dazugehören. Das legt ihnen ihr Institutsleiter auch immer wieder nahe.

Text und Fotos: Patricia Brozio von der VDR-Onlineredaktion

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