Vor 25 Jahren entstand der Verband der Restauratoren (VDR). Sieben eigenständige Berufsverbände bündelten damals ihre Kräfte und schlossen sich zu einer gemeinsamen Berufsvertretung zusammen. Zum Jubiläum blicken wir in einer Blogserie auf diese Vorgängerverbände zurück. Den Auftakt macht die Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren (AdR).
Ein Beitrag von Anne Wermescher
Die Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren, vormals Arbeitsgemeinschaft des technischen Museumspersonals (ATM), war der älteste und mitgliedsstärkste Vorgängerverband des VDR.
Die Verbandsgeschichte der AdR ist vergleichsweise gut dokumentiert. Die wichtigste Quelle ist sicherlich der Rückblick auf das 40jährige Jubiläum ihrer Gründung aus der Feder von Rolf Wihr, dem Gründungsmitglied und langjährigen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft.
Der Anfang – die „internationale Selbsthilfeorganisation ATM“
Ein von Rolf Wihr organisiertes Fortbildungstreffen für Restauratoren am Rheinischen Landesmuseum in Trier führte 1956 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft des technischen Museumspersonals (ATM). Das Ziel war der fachliche und berufspolitische Erfahrungsaustausch auf internationaler Ebene, zehn Fachgruppen und sieben Fachreferenten wurden mit der Beratung in Fachfragen und der Auswertung internationaler Fachliteratur betraut.
Von der ATM zur AdR als eingetragener Verein
Als eingetragener Verein bestand die ATM ab 1966. Die 1981 beschlossenen Namensänderung in Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren – Museen – Denkmalpflege – Grabungstechnik e.V. (AdR) fand erst 1984 Eingang in die Satzung.
Mit seiner 33-jährigen Amtszeit prägte Rolf Wihr, der am Rheinischen Landesmuseum in Trier, später am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege tätig war, den Verband. Langjährige Mitstreiter an seiner Seite waren ab 1976 der Diplom-Chemiker Dietrich Ankner vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz als 2. Vorsitzender und ab 1976 Werner Wimmel vom Museum für Ur- und Frühgeschichte Freiburg als Rechnungsführer. Nach Wihr übernahmen ab 1989 Karl J. Faltermeier aus Basel, ab 1993 Arnulf von Ulmann vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und ab 1997 Kornelius Götz den ersten Vorsitz.
Zum erweiterten Vorstand, auch Beirat genannt, gehörten die Fachgruppensprecher:innen, stimmberechtigt waren in der AdR neben den ordentlichen Mitgliedern auch die Mitglieder in Ausbildung (MIAUs).
Seit ihrer Gründung war die AdR in erster Linie ein Verband für angestellte Museumsrestaurator:innen. Unter ihnen stellte die Gruppe der Restaurator:innen für archäologische Objekte als „Kernzelle“ der ATM einen Großteil der Mitgliedschaft. Eine Besonderheit der AdR war die Mitgliedschaft der Grabungstechniker:innen, die einerseits eng mit der Restaurierung und Konservierung archäologischer Objekte und den Verbandsinteressen der AdR verbunden, andererseits die Eigenständigkeit der Grabungstechnik wahren wollten.
Im stark auf die Museumsarbeit ausgerichteten Verband fühlten sich die freiberuflichen Kolleg:innen nicht ausreichend repräsentiert. 1980 entschied der Vorstand den Vorschlag zur Gründung einer „Fachgruppe Selbständige“ nicht weiterzuverfolgen. Dies führte 1981 zur Gründung des Deutschen Verbandes freiberuflicher Restauratoren (DVfR), was für die AdR den Verlust von Mitgliedern bedeutete und für viele Mitglieder eine Doppelmitgliedschaft mit sich brachte.
Zum Selbstverständnis der Arbeitsgemeinschaft gehörte seit Beginn die gelebte Internationalität. Der Verband zählte zuletzt über 2.000 Mitglieder aus 35 Ländern, darunter waren auch Kolleg:innen aus der DDR.
Arbeitstagungen und Fachgruppen
Für den fachlichen Austausch organisierte die AdR Fachtagungen, Seminare, Kolloquien und Exkursionen. Die Fachtagungen der AdR, die sogenannten Arbeitstagungen, fanden zunächst alle zwei Jahre, ab 1985 jährlich statt. Ab Mitte der 1900er Jahre richtete die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren (IADA) einen eigenen Tag auf den Arbeitstagungen der AdR aus. In Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig fand 1998 eine vielbeachtete Fachtagung, das internationale Kolloquium Firnis. Material – Ästhetik – Geschichte statt.

Die AdR war in Fachgruppen organisiert. Zu den ersten Fachgruppengründungen zählten Anfang der 1980er Jahre die Fachgruppen Archäologie, Grabungstechnik, Kunsthandwerk, Möbel und Holzobjekte, Musikinstrumente, Textil und volkskundliche Objekte. Zuletzt gab es 13 Fach- und Arbeitsgruppen.
Engagement für Ausbildung und Berufsschutz
Ein erster Meilenstein war der 1968 in Kraft getretene Tarifvertrag für Restauratoren im Öffentlichen Dienst, an dessen Entwurf die ATM beteiligt war.
In den 1980ern setzte sie sich gemeinsam mit den anderen Verbänden für den Berufsschutz und die Etablierung der Hochschulausbildung ein. Sie verabschiedete hierzu wichtige Papiere, darunter 1981 die gemeinsame Stellungnahme der Restauratoren der BRD, vertreten durch die drei Fachverbände ATM, DRV, DVFR, zu Berufsbild und Ausbildung des Restaurators in der Bundesrepublik Deutschland, dassogenannte „Rosa Papier“ (im Bild). In den folgenden Jahren trug sie zur weiteren Schärfung des Berufsbildes bei und trat in berufspolitischen Fragen mit den anderen Verbänden geschlossen auf. 1986 veröffentlichte die AdR gemeinsam mit DRV, DVfR und IADA den „Ehrenkodex für Restauratoren“ und „Der Restaurator. Eine Definition des Berufs“. 1990 folgte zusammen mit DRV und IADA ein „Übergreifendes Berufsbild für Restauratoren“.
Ab 1994 war die AdR Mitglied des Dachverbandes „Vereinigung deutscher Restauratorenverbände“ (VDR), dessen dringlichstes Ziel zunächst der Schutz der Berufsbezeichnung „Restaurator“ war.
Verbandsorgane und Publikationen der AdR
In den Anfangsjahren wurden Verbandsinformationen in Form von Rundschreiben versandt. Ab 1958 konnten die Mitglieder Fachbeiträge in der 1955 gegründeten Zeitschrift Der Präparator – Zeitschrift für Museumstechnik veröffentlichen.
Im Jahr 1968 etablierte die AdR mit den Arbeitsblättern für Restauratoren eine eigene Fachzeitschrift. Ab 1990 kam das Magazin AdR-aktuell dazu, das Fach- und Mitgliederinformationen, aktuelle Meldungen und Stellenanzeigen enthielt und durch Sonderhefte zu berufspolitischen Themen ergänzt wurde. 1994 wurde die AdR-Schriftenreihe zur Restaurierung und Grabungstechnik begonnen.
| Arbeitsblätter für Restauratoren | Fachzeitschrift | Erscheinungsverlauf: 1.1968-34.2001 Erscheinungsweise: halbjährlich lose Blattsammlung |
| AdR-aktuell | Magazin | Erscheinungsverlauf: 1990-2001 Erscheinungsweise: vierteljährlich |
| AdR-Schriftenreihe zur Restaurierung und Grabungstechnik | monographische Reihe | Erscheinungsverlauf: 1.1994-5./6.2000 Erscheinungsweise: in loser Folge |
Die Arbeitsblätter für Restauratoren, kurz Arbeitsblätter genannt, erschienen halbjährlich. In der Zeit von 1968 bis 1999 wurden darin etwa 700 Beiträge veröffentlicht, die genaue Anzahl muss noch recherchiert werden. Die Fachbeiträge spiegeln die breit gefächerten Arbeitsgebiete der Konservierung und Restaurierung wider, die von den Mitgliedern des AdR vertreten wurden. Die Mehrheit der Beiträge war einer Objektgruppe zugeordnet, zudem gab es Fachgruppen und Arbeitsgebiete übergreifende Themen wie Gesundheitsschutz, naturwissenschaftliche Untersuchungen oder Restauratorenberuf sowie bis 1990 auch Verbandsmitteilungen für die Mitglieder. Eine Besonderheit war, dass die Arbeitsblätter nicht als gebundene Hefte, sondern als eine lose Blattsammlung gestaltet waren. So ließen sich die einzelnen Beiträge individuell ordnen, etwa zu einem nach Objektgruppen thematisch gegliederten Nachschlagewerk. Die Arbeitsblätter gelangten auch zu den Mitgliedern der AdR in der DDR.
Die Arbeitsblätter erschienen 1968-1977 im Verlag Philipp von Zabern und ab 1978 im Verlag des Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (RGZM). Das RGZM war zusammen mit der AdR Herausgeber:in. Die Redaktion führten die längste Zeit Dietrich Ankner und Rolf Wihr. Von 1991 bis 1992 unterstützte Friedemann Hellwig das Redaktionsteam. Ende der 1990er Jahre lösten Christian Eckmann und Katja Broschat das langjährige Redaktionsteam ab. 2001 gab die AdR eine CD-ROM mit allen Beiträgen bis einschließlich Heft 2/1999 für seine Mitglieder heraus, ergänzt durch Inhaltsverzeichnisse und Informationen zur Zeitschrift und zum Verband.
Ab 1990 erschien das Magazin AdR-aktuell vierteljährlich und übernahm die Verbandsmitteilungen, die bis dahin Bestandteil der Arbeitsblätter waren. Es enthielt auch Tagungsberichte, Ankündigungen, Stellenausschreibungen und Mitgliederverzeichnisse sowie Nachrufe. Zudem gab es in diesem Format auch Sonderhefte, wie 1984 und in 1988 in zweiter Auflage das Sonderheft Die Ausbildung von Restauratoren an öffentlichen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland.
Die monographische Reihe AdR-Schriftenreihe zur Restaurierung wurde 1994 in Leben gerufen, bis 2001 erschienen sechs Bände. Band 1 mit dem Titel Technisches Kulturgut. Schutz der Metalle gegen atmosphärische Korrosion erschien 1994 unter der Redaktion von Rolf Wihr und Kornelius Götz und fasste die Ergebnisse eines Seminars der AdR- Fachgruppe Technisches Kulturgut mit dem Verband Deutscher Korrosionsfachleute e.V. (VDKORR) zusammen. Heft 2, Spannungsfeld Restaurierung, feierte das 40-jährige Jubiläum der Gründung der AdR, Herausgeber war Rolf Wihr. Der Tagungsband zum oben genannten Kolloquium „Firnis. Material – Ästhetik – Geschichte“ erschienen 1999, ist Heft 3 der Schriftenreihe. Die Redaktion hatte Anne Harmssen. Autor des vierten Bandes 1999 ist Kilian Anheuser. Seine Arbeit mit dem Titel Im Feuer vergoldet. Geschichte und Technik der Feuervergoldung basiert der Dissertation des Autors, die Redaktion hatte dabei Gerhard Eggert. Vom Feuerstein zum Bakelit. Werkstoffe verstehen von Volker Koessling erschien 2000 als Band 5/6. Koessling stützte sich auf seine Vorlesungen an der FHTW Berlin und konzipierte ein Lehrbuch und Nachschlagewerk.
Vieles von dem, was damals entstand, prägt die Strukturen und Publikationen des VDR bis heute – in weiterentwickelter Form und doch erkennbar in seiner Herkunft.
Literaturauswahl
Götz, Kornelius: Die Restauratorenverbände in Deutschland. Begriffsbestimmung – Strukturdaten – Typologie, in: Spannungsfeld Restaurierung. Jubiläumsschrift zum 40jährigen Bestehen der AdR, AdR-Schriftenreihe zur Restaurierung und Grabungstechnik, Heft 2 (1996), S. 163–168
Hellwig, Friedemann: In Memoriam: Rolf Wihr, in: VDR Beiträge 1/2019, S. 127–128, https://doi.org/10.57908/cons.2019.1.106549
Marquart, Martin; Erich Werwein; Eckehard von Schierstaedt und Ralf Buchholz: Schon Geschichte! 20 Jahre Fachgruppe „Möbel und Holzobjekte“ in der AdR, Arbeitsblätter für Restauratoren, Heft 2 (Jg. ), 2000, S.181–190
Wihr, Rolf; Ankner, Dietrich: 25 Jahre ATM – Rückblick auf Entstehen und Wirken, Arbeitsblätter für Restauratoren, Heft 2 (Jg. 14), 1981, (ohne Seitenzahl)
Wihr, Rolf: Vierzig Jahre AdR (ATM) – Die Geschichte eines Berufes und seiner Organisation, in: Spannungsfeld Restaurierung. Jubiläumsschrift zum 40jährigen Bestehen der AdR, AdR-Schriftenreihe zur Restaurierung und Grabungstechnik, Heft 2 (1996), S. 7–60









