Restauratoren in der Corona-Krise #sogehtesweiterbei – Birgit Engel-Bangen

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In Zeiten der Corona-Krise wollen wir einen Blick auf restauratorische Arbeitsplätze werfen. Wie ergeht es den Restauratoren „da draußen“, die freiberuflich oder angestellt arbeiten in den Ateliers, Museen, Denkmalämtern, Baustellen oder im Home Office?

13.04.2020: „Hut ab!“, sagt Birgit Engel-Bangen und meint mit diesem Lob die Corona-Soforthilfe des Bundes und deren ebenso rasche wie unkomplizierte Umsetzung. „Ich habe mich vorab informiert, ob dieses Hilfsangebot für mich zutrifft und dann den Antrag ausgefüllt. Eine Viertelstunde später kam schon die Eingangsbestätigung durch die Bezirksregierung. Das war an einem Sonntag und am Donnerstag war das Geld (9.000 Euro) auf dem Konto.“ Wie ihr sei es auch anderen Kolleginnen und Bekannten in NRW ergangen, die sich ebenso wie sie über dieses Angebot des Bundes, das über die Länder abgewickelt wird, gefreut haben.

Birgit Engel-Bangen ist selbstständig freiberuflich als Restauratorin für Möbel und Holzobjekte tätig und arbeitet in einer Werkstattgemeinschaft im ländlichen Havixbeck bei Münster. Kollegin Heike Pelzer übernimmt als Restauratorin neben Möbel und Holzobjekten auch Ethnografika und das Spezialgebiet von Sabine Heitmeyer-Löns sind textile Objekte. „Wir ergänzen uns sehr gut bei den Projekten, die vielfach von der Kirche, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und den kleinen Museen kommen. Privatkunden gibt es ebenfalls, aber da ist die Auftragslage schwankend.“

Birgit Engel-Bangen

Im Moment hätten sie und ihre Kolleginnen noch zu tun und bereits begonnene Aufträge würden jetzt beendet. „Allerdings wurden alle neuen Projekte nun erstmal auf Eis gelegt, es gibt keine Ortstermine und viele Referenten sind im Homeoffice. Der Markt stagniert gerade und es kann niemand einschätzen, wann und wie es weitergeht. Vielleicht erst im Herbst?“ Für sie als Freiberuflerin ist eine Situation mit schwankender Auftragslage nichts Neues,  – „als Schlechtdenker ist man da sowieso verkehrt“ – aber die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie sei nun schon etwas anderes.

Mit ihren Kolleginnen habe sie inzwischen auch die Zeit dafür genutzt, um über Marketingmaßnahmen für die Werkstattgemeinschaft nachzudenken, sagt Birgit Engel-Bangen. „Wir arbeiten zurzeit wie gewohnt in der Werkstatt und diese festen Abläufe sind mir wichtig, um auch als positiv denkende Person  aktuell nicht zu stark ins Grübeln zu kommen. Das Geld aus der Corona-Soforthilfe  gibt Sicherheit für die nächsten Wochen – wunderbar.“ Davon könne sie Miete und Versicherungen bezahlen sowie Verdienstausfälle ausgleichen. „Mögliche Prüfungen behält sich die Bezirksregierung vor und das Geld ist auch zu versteuern, aber das besorgt mich nicht.“  

Wie ergeht es Ihnen als Restaurator während der Corona-Pandemie? Schreiben Sie uns an [email protected]

3 Comments

  1. Veröffentlich von Wolf Meyer zu Bargholz am 14. April 2020 um 18:59

    Hallo zusammen,
    ich hatte auch erst den Gedanken die Leistungen zu beanspruchen. Dann hab ich mir die Bedingungen für NRW angeschaut und entschieden es nicht zu tun. Da muss ein direkter Zusammenhang erbracht werden, das Covid19 im März meine Umsätze eingedampft hätte!
    Jetzt lese ich grad dass auch die Kollegin Altaufträge weggearbeitet hätte in dieser Zeit und das hab ich ja auch getan und so konnte ich ja überbrücken in der kundenarmen Zeit.
    Also kein Anspruch denke ich.
    Auch wenn mir die 9k€ sehr helfen würden hält mich die schwammige Rechtslage doch davon ab, da ich nicht am Ende als Betrüger dastehen will und händeringend Beweisketten basteln muss und sogar Kunden anschreiben und sie bitten muss aufzuschreiben warum sie nicht erreichbar waren im März zum Beispiel.
    Ja nu, so seh ich das halt!
    Allen viel Glück und immer genug Wasser unterm Kiel
    Wolf Meyer zu Bargholz

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  2. Veröffentlich von Stephanie Silligmann am 19. April 2020 um 17:51

    Gut zu lesen, dass es bei einigen Kolleginnen und Kollegen mit der Unterstützung so gut geklappt hat! Das macht Mut, und eine Versteuerung und nachträgliche Prüfung gewährleisten den sorgfältigen Umgang.

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  3. Veröffentlich von Christine Machate am 20. April 2020 um 8:55

    Liebe KollegenInnen,
    auch ich habe bereits im März einen Hilfeantrag gestellt und binnen 1 Woche 5000 Euro überwiesen bekommen. Gleichzeitig hatte ich die Museen, mit denen ich zusammenarbeite motiviert, ein Objekt von mir restaurieren zu lassen und Eines wurde 3 Tage nach meinem Angebot genehmigt und noch vor Ostern angeliefert.
    Die 5000 Euro retten mich über den derzeitigen absoluten finanziellen Tiefpunkt, denn wie die meisten von uns, kommen die ersten geförderten Aufträge immer erst im März, so dass ich in den ersten 3 Monaten des Jahres von den Vorjahreseinnahmen leben muss. Aber wegen der Pandemieeinschränkungen sind die Mitarbeiterinnen der Kirchenämter und des Denkmalamtes zu Hause und bearbeiten KEINE Bewilligungsbescheide und keine Verträge !!!!
    Selbst wenn sich später herausstellen sollte, dass mir nach den Richtlinien, die 5000 nicht zustehen sollten, helfen sie mir doch jetzt in der Not, bis ich meine erste Rechnung stellen kann. Da zahle ich die 5000 Euro dann eben wieder zurück!

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