Ein Interview mit Selma Hassold „Werkstoffkunde mit praktischen Übungen gefällt mir richtig gut“

Im Studienjahr 2025/26 hat der VDR erneut Deutschland-Stipendien vergeben. In dieser zweiten Runde wurden vier Stipendiat:innen ausgezeichnet. In diesem Beitrag stellen wir Selma Hassold vor.

Selma Hassold studiert Konservierung und Restaurierung an der ABK Stuttgart mit der Vertiefung Gemälde und gefasste Skulpturen. Sie ist im 6. Semester und hat gerade mit ihrer Bachelor-Arbeit begonnen. Wir haben mit ihr über ihren Weg in die Restaurierung gesprochen, warum sie den Fachbereich gewählt hat und welche Pläne und Ideen sie für die Zukunft hat.

Selma Hassold beim Handling von Adolf Hölzel für ihre Bachelor-Arbeit

VDR: Wie bist du auf das Thema Restaurierung aufmerksam geworden? Seit wann gab es die Motivation den Beruf zu erlernen?

Selma Hassold: Obwohl ich den Beruf schon sehr früh kennengelernt habe, denn meine Mutter ist selbst Restauratorin, habe ich das für mich selbst lange nicht als Option wahrgenommen. So habe ich zuerst in Erlangen Kunstgeschichte und Englisch studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Am meisten hat es mir immer gefallen, wenn es um die Betrachtung der Kunstwerke aus nächster Nähe ging. Das führte zu einem Perspektivwechsel, so dass ich über diesen Weg zum Restaurierungsstudium gekommen bin – allerdings in einem anderen Fachbereich als meine Mutter, die auf Papier spezialisiert ist. Heute finde ich die Kombination Kunstgeschichte und Restaurierung sehr bereichernd und ich merke, dass mir das jeweilige Verständnis der Fachbereiche verschiedene Sichtweisen bietet.

Wie kam es zur Entscheidung für deinen Studienort und den Fachbereich?

Ich habe dann ein Vorpraktikum am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg gemacht und mich für die Fachbereiche Gemälde und gefasste Skulpturen entschieden. Das passte auch am besten zu meinem Kunstgeschichtsstudium. Die Entscheidung für Stuttgart als Studienort fiel, weil ich insgesamt die Stimmung bei der Aufnahmeprüfung dort sehr angenehm fand. Auch das Treffen, das die höheren Semester für uns organisiert hatten, war ziemlich gut und mir gefiel, dass es an der ABK viele unterschiedliche Projekte gibt, die Möglichkeit für Auslandssemester und insgesamt eine relativ große Freiheit, sich auf einzelne Studieninhalte zu spezialisieren, vor allem im Master

Welche Projekte und Vorlesungen waren für dich im Studium besonders spannend? 

Im Studium gefällt mir Werkstoffkunde richtig gut. Jedes Semester gibt es eine Werkstoffkunde-Vorlesung mit einem anderen Schwerpunkt. Im Rahmen einer praktischen Übung kann man unmittelbar mit den Werkstoffen arbeiten. So habe ich beispielsweise letztes Semester viel über Holz und starre Bildträger erfahren und einen Schnitzkurs gemacht. In den Semestern davor haben wir Pigmente und Verzierungstechniken kennengelernt, was von einem Kopierkurs und einem Vergolderkurs begleitet wurde. Manchmal werden diese Kurse und Vorlesungen auch mit anderen Studiengängen zusammen gehalten, was immer spannend ist.

Meine Praktika außerhalb der Uni waren superinteressant. Ich war in Freiburg im Augustinermuseum, habe für eine freiberuflich arbeitende Firma in Rom an einer gefassten Holzdecke mitgearbeitet und konnte mich in einem irischen Herrenhaus mit der Restaurierung von Gemälden im Familienbesitz beschäftigen.

Adolf Hölzel, Reißender Bach (Amper), 1900


Wie geht es im Studium weiter? Hast du schon Pläne für danach? 

Jetzt habe ich bis Mitte August für meine Bachelor-Arbeit Zeit. Mein Projekt befasst sich mit einem Leinwand-Gemälde von 1900 von dem Maler Adolf Hölzel. Zunächst habe ich eine kunsttechnologische Untersuchung durchgeführt und jetzt bearbeite ich das Gemälde konservatorisch und restauratorisch. An dem Objekt arbeite ich schon seit einem Semester regelmäßig an drei Tagen pro Woche. Das Bild befindet sich in Privatbesitz und auch die Gespräche mit den Besitzer:innen gehören zum Projekt. Das gefällt mir gut, weil es auch zur beruflichen Realität gehört.

Im Wintersemester geht es dann gleich weiter mit dem Master. Irgendwann würde ich auch gerne ein Auslandssemester machen, vielleicht in Italien, Amsterdam oder Kopenhagen. Wir werden zwar unterstützt in unseren Wünschen ins Ausland zu gehen, aber man muss auch flexibel sein, um ein passendes Projekt zu finden. Für die Zeit nach dem Studium habe ich noch keine festen Pläne, aber ich sehe mich eher in einem Museum und weniger in der Selbstständigkeit. Die Museumsarbeit ist auch näher dran an meinem ersten Studienfach. Aber wer weiß – Pläne können sich ändern.

Gibt es Wünsche, die du an die Hochschule richten würdest? Und an den VDR?

An der Uni wünsche ich mir, dass es weiterhin Projekte im Ausland und an Museen geben wird. Das Gleiche gilt für interdisziplinäre Projekte am Campus, wo es um Vernetzung und Austausch geht. Ich finde das wichtig, deshalb sollen solche Möglichkeiten unbedingt erhalten bleiben und fortgeführt werden.

Im VDR betrifft mich die Interessengruppe der Restaurator:innen in Ausbildung am meisten. Diese Gruppe ist eine ungeheuer wichtige Ressource für Studierende und Vorpraktikant:innen und sie sind natürlich auch für den gesamten VDR relevant. Man könnte eventuell Kontaktmöglichkeiten und Ansprechpersonen noch besser kommunizieren und zum Beispiel auch der Frage nachgehen, wie die Praktika laufen.*
(*Anmerkung: Derzeit liegt eine aktuelle Umfrage der Interessengruppe Restaurator:innen in Ausbildung (RiA) zum Vorpraktikum vor.)

Das Gespräch mit Selma Hassold führte Gudrun von Schoenebeck von der Online-Redaktion.

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