Der Deutsche Restauratoren Verband (DRV) gehörte mit der Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren (AdR) und der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks-, und Graphikrestauratoren (IADA) zu den ältesten und mitgliederstärksten Verbänden unserer Disziplin in Deutschland. Er wirkte maßgeblich an der Definition und Entwicklung des Berufsbildes der Konservierung und Restaurierung mit und hatte wesentlichen Anteil an der Etablierung der Hochschulausbildung für Restaurator:innen, auch auf europäischer Ebene.
Zum 25‑jährigen Verbandsjubiläum richtet der Verband der Restaurator:innen den Blick zurück auf seine Vorgängerverbände. Dies ist der fünfte Teil unserer Blogserie.
Ein Beitrag von Thomas Krämer

Verbandsgründung

Der DRV entstand 1958, zunächst unter dem Namen Verband Deutscher Gemälderestauratoren e.V. (VDGR e.V.).
Der Hamburger Restaurator Theodor Sachse gab 1957 mit einer Umfrage zur Situation der Restaurator:innen in der damaligen BRD dazu einen wesentlichen Impuls. Er schrieb, „daß meine Umfrage bei fast allen erreichbaren Kollegen den Wunsch auslöste. ‚Auch wir müssen uns zusammenschließen, der Einzelne ist so gut wie machtlos!‘“.
Strukturen
Den ersten Vorstand bildeten Fritz Reimold als Vorsitzender, Helmut Tomaschek als sein Stellvertreter, Joachim Goege als Schriftführer und Annemarie Flinsch als Kassenwart. Das Jahr 1975 markierte einen Wendepunkt: Mit einer Satzungsänderung öffnete der Verband sich für Kolleg:innen anderer Fachrichtungen und gab sich aus diesem Grunde einen neuen Namen, Deutscher Restauratoren Verband. Davon ausgeschlossen waren jedoch die bereits organisierten Kolleg:innen aus dem Bereich der Archäologie.
Der DRV verstand sich explizit auch als Verband „bediensteter und freiberuflicher Restauratoren“ und damit als Vertreter:in ihrer verschiedenen Interessen. Die „klassischen Fachbereiche“ prägten das Gesicht des Verbandes, der aus einem Kreis von Gemälderestaurator:innen entstanden war. Die breite Vielfalt von Fachzweigen und Spezialisierungsrichtungen bildete sich hingegen (anders als in der AdR) in der Verbandsstruktur nicht ab.
Ein wesentlicher Teil der Verbandsarbeit erfolgte in temporären oder auch dauerhaften Arbeitsausschüssen. Fest installiert war unter anderen der Arbeitsausschuss für Mitglieder in Ausbildung (AAMA), in dem sich die Praktikant:innen und Studierenden organisierten.
Bekannte Persönlichkeiten der Disziplin engagierten sich im DRV. Dazu zählten Kurt Schmidt-Thomson, Ernst Willemsen, Helmut F. Reichwald, Agnes Gräfin Ballestrem, Jochen Haag, Christa Steinbüchel und Ulrich Schießl, die als Vorsitzende tätig waren.


Mit Gräfin Ballestrem wurde 1979 zudem erstmals eine Vorsitzende eines deutschen Restaurator:innenverbands gewählt. Ab 1993 erweiterte eine Vertreter:in des AAMA den Vorstand des DRV. Natalie Ellwanger [muss noch verifiziert werden] hatte erstmals dieses Amt, ihr folgten Jens Hoffmann, Thomas Zirlewagen und Gudrun Bischof. Zu den Ehrenmitgliedern zählten unter anderen der Kunsthistoriker Paul Philippot, Rolf E. Straub und die Kulturjournalistin Doris Schmidt. Dem letztmaligen Vorstand des DRV vor seiner Auflösung und der Fusion der Verbände zum VDR gehörten Andreas Menrath (1. Vorsitzender), Ute Hack und Peter Volkmer an.
Verbandsarbeit
Der DRV wirkte an der Erarbeitung von Grundsatzpapieren zum Berufsbild und zur Ausbildung mit, die wesentlich dazu beitrugen, den Beruf der Restaurator:in auf das Hochschulniveau zu heben. Zugleich beteiligte er sich daran, auf nationaler und auch auf europäischer Ebene durchsetzungskräftige Verbandsnetzwerke zu gründen. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Restauratoren (AdR) und dem Deutschen Verband freiberuflicher Restauratoren (DVfR) wurde das „Berufsbild und Ausbildung des Restaurators in der Bundesrepublik Deutschland“, das sog. „Rosa Papier“ (1981) veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit den Verbänden AdR, Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren (IADA) und Deutscher Verband freiberuflicher Restauratoren (DVfR), entstanden 1986 die Papiere „Ehrenkodex für Restauratoren“ und „Der Restaurator.Eine Definition des Berufs“ sowie 1990 das Papier „Übergreifendes Berufsbild für Restauratoren“.

Gräfin Ballestrem wirkte zudem an einem Grundsatzpapier mit internationaler Reichweite mit, das 1984 vom Conservation Committee des International Council of Museums (ICOM CC) unter dem Titel „The Conservator Restorer. A definition of the Profession“ verabschiedet wurde.
1991 führte der DRV, zusammen mit der AdR als zweites deutsches Mitglied, dieses Engagement in der Mitarbeit an der Gründung der European Confederation of Conservator-Restorers Organisations (E.C.C.O.) weiter, um den Beruf und seine Anerkennung im Verbund mit den europäischen Verbänden zu stärken. Der DRV war engagiertes Gründungsmitglied der Vereinigung der deutschen Restauratorenverbände (VDR) 1994, auch wenn er im ersten Vorstand nicht vertreten war. Ebenfalls mit den berufspolitischen Zielen des DRV in Verbindung steht der maßgebliche Beitrag an der Gründung von ENCoRe, dem European Network for Conservation-Restoration Education 1998, der wesentlich auf Ulrich Schießl zurückging. ENCoRe stärkte die Etablierung des Berufs als akademische Disziplin und half mit, den Weg zur Promotion im Bereich Konservierung und Restaurierung zu ebnen.
Zentrale Aufgabe der 1970er und 1980er Jahre war das Ringen um eine Hochschulausbildung, die bei der Pflege und Bewahrung von Kunst- und Kulturgut eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Nachbardisziplinen – insbesondere Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Architektur – ermöglichen sollte. Einen maßgeblichen Impuls dazu gab Rolf E. Straub, indem er 1976 das zuvor freie Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in ein Diplomstudium umwandelte – das erste seiner Art in der damaligen BDR. Bereits 1977 schlossen die Ersten ihr Studium als Diplom-Restaurator:innen ab. 1996 entschied der Verband, das (Fach-)Hochschuldiplom als Aufnahmekriterium in den DRV festzulegen – ein Schritt, den auch viele Mitglieder ohne Hochschulabschluss unterstützten, der aber angesichts des einschneidenden Generationenwechsels auch kritische Stimmen hervorbrachte.
Die Mitglieder in Ausbildung, die im DRV eine große Gruppe bildeten, drängten auf mehr Mitbestimmung. 1992 forderten sie sowohl ein aktives und passives Wahlrecht als auch einen Sitz im Vorstand. Durchsetzen konnten sie jedoch nur, dass eine Vertreter:in des AAMA von der Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt wurde. Mit Sorge wurde deshalb auch die Gründung des von Studierenden der FH Köln gegründeten Bundesverbandes Deutscher DiplomrestauratorInnen (bdr) beobachtet, da man mit einer Abwanderung von jungen Verbandsmitgliedern rechnete. Die VDR engagierte sich für eine Regelung des damals zum Teil mehrjährigen Vorpraktiums und gab 1996 an seine Mitglieder als Empfehlung dazu Richtlinien und einen Mustervertrag heraus. Hingegen konnte sich der AAMA mit seiner Initiative zur verpflichtenden Anwendung im Jahr 2000 nicht durchsetzen.
Der DRV richtete jährlich, in Verbindung mit den Mitgliederversammlungen, mehrtägige Fachtagungen aus. Maßgeblich für die Entwicklung konservatorischer Standards war zum Beispiel die Tagung 1977 in Augsburg. Dort stellte der Arbeitsausschuss Kunsttransport seine Überlegungen vor, die zur praktischen Entwicklung der Klimakiste für den Transport von Kunstwerken führten. Die Tagung 1989 in Bregenz widmete sich der Dokumentation im Bereich der Konservierung und Restaurierung. Sie wurde in einer internationalen Kooperation, mit dem österreichischen (ÖRV) und schweizerischen Verband (SKR/SCR) veranstaltet.
Ein Meilenstein nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 war die gemeinsame Tagung des DRV mit der Sektion Restauratoren des Verbandes Bildender Künstler der ehemaligen DDR 1991 in Kassel. Ihr programmatischer Titel lautete „Zur Situation der Restaurierung in Deutschland – Bestandsaufnahme und Erfahrungsaustausch“. Die starke internationale Orientierung des DRV unterstreicht auch die Tagung 1999 in Kiel. Sie fand in Kooperation mit dem Dänischen Nationalmuseum statt. Zudem zweisprachigen (de/en) Tagungsprogramm leisteten dänische Kolleg:innen zahlreiche Beiträge. Im Jahr 2000 wurde angesichts der bevorstehenden Fusion der Verbände zum VDR eine gemeinsame Tagung mit dem Restauratoren Fachverband e. V. (RFV) und dem Restauratorenverband Sachsen e.V. (RVS) organisiert.
Einzelne Tagungsbeiträge blieben vielen Zuhörer:innen in lebendiger Erinnerung. Dazu gehörte der Vortrag „Restauratoren im Himalaya – Erfüllungsgehilfen des Kulturtourismus?“ von Hans Portsteffen, Yvonne Erb und Benno Wili 1985 in Berlin, deren (selbst-)kritische Reflexion große Anerkennung fand.

Mitteilungen und Publikationen
Die Verbandsmitteilungen des DRV wurden seit 1958 in der Zeitschrift Maltechnik, die sich 1972 in Maltechnik. RESTAURO umbenannte, veröffentlicht. Zudem erhielten die Mitglieder von 1979 bis 1985/86 die Mitteilungen des Deutschen Restauratorenverbandes. Sie versammelten insgesamt über 80 Beiträge, mehrheitlich die schriftlichen Fassungen der Vorträge der jährlichen Verbandstagungen, ab 1987 konzentriert sie sich wieder auf die Aktivitäten und Belange des Verbandes. Der AAMA informierte seine Mitglieder in Ausbildung mit einem eigenständigen Bulletin, dem Forum. Die Tagung in Bregenz 1989 nahm eine Sonderstellung ein, ihre Akten wurden gemeinsam mit dem ÖRV und dem SKR/SCR in einer eigenen Konferenzschrift herausgegeben. Verbandsintern erschienen 1995, erarbeitet von Wolfram Gabler und Babette Hartwieg, die VDR Grundlagen, eine Textsammlung zur Theorie, Ethik und zum Berufsbild der Konservierung und Restaurierung, 1996 in einer erweiterten Neufassung unter dem Titel Handbuch des Deutschen Restauratoren Verbandes von Jürgen Böhme und Ulrich Schießl.
1987 wurde die international renommierte Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung (ZKK) aus der Taufe gehoben, die bis heute in der Wernerschen Verlagsgesellschaft in Worms erscheint. Bis 2000 war sie gleichzeitig auch das Publikationsorgan des DRV. Eine enge Verbindung zum Verband bestand durch die Herausgeber der Gründungszeit, Karl Werner Bachmann, Helmut F. Reichwald, Ulrich Schießl und den Kunsthistoriker Wolfgang Wolters. 1992 wurde Wolfram Gabler als „Vertreter für den DRV“ in diesen Kreis aufgenommen. Viele der Fachbeiträge entstanden aus Vorträgen der DRV-Jahrestagungen und aus Diplomarbeiten. Bereits im ersten Heft der ZKK verdeutlichten die Verbandmitteilungen die berufspolitischen Ziele. Bachmann stellte die 1977–1986 entstandenen „Diplomarbeiten des Studiengangs Restaurierung und Technologie von Gemälden und gefaßten Skulpturen“ der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart vor. Die Internationale Perspektive des Verbandes reflektieren auch die Beiträge verschiedener Autor:innen 1991 über die „Berufssituation des Konservators/Restaurators in Europa“. Die ZKK widmete im Jahr 1989 dem 30-jährigen Jubiläum der Verbandsgründung des DRV ein Sonderheft.
Mein Dank gilt dem Team der Wernerschen Verlagsgesellschaft, Christine Hoffart und Dr. Dörte Jakobs, die den Beitrag durch Bild- und Archivmaterial, wertvolle Hinweise, Ergänzungen und Korrekturen unterstützt haben.
Das Jubiläumsteam freut sich auch weiterhin über Zuschriften und Material zu den Vorgängerverbänden!



