Auch im Studienjahr 2025/26 hat der VDR erneut Deutschland-Stipendien vergeben. In dieser zweiten Runde wurden vier Stipendiat:innen ausgezeichnet. Wir beginnen unsere Vorstellung mit Alexandra Ziegler.
Alexandra Ziegler studiert an der Hochschule für Bildende Künste Dresden derzeit im dritten Studienjahr mit dem Schwerpunkt Malerei auf mobilen Bildträgern. Wir haben mit ihr über ihren Weg in die Restaurierung gesprochen, warum sie den Fachbereich gewählt hat und welche Pläne und Ideen sie für die Zukunft hat.

VDR: Wie bist du auf das Thema Restaurierung aufmerksam geworden? Gab es damals schon die Motivation den Beruf zu erlernen?
Alexandra Ziegler: Ich bin in der Schulzeit mit der Restaurierung in Berührung gekommen. Ich war damals in Gent in Urlaub und habe gesehen, wie ein Teil des Genter Altars in einer Schaurestaurierung bearbeitet wurde. Das war unglaublich spannend und gab mir die Anregung mich weiter zu informieren. Kurz vor meinem Abi – es war in der Corona-Zeit – wurde mir klar, dass ich in meinem Beruf gerne mit den Händen arbeiten möchte. Die verschiedenen Aspekte des Restauratorenberufes – handwerklich, künstlerisch und naturwissenschaftlich zu arbeiten – haben mir sehr gut gefallen.
Welche Praktika hast du gemacht und wie kam es zur Entscheidung für deinen Studienort?
Mein Vorpraktikum habe ich bei einem freiberuflichen Restaurator in Baden-Baden gemacht. Er war auf Gemälde und gefasste Skulpturen spezialisiert und nebenan gab es noch einen Möbelrestaurator, zu dem wir einen guten fachübergreifenden Kontakt hatten. Dass ich den Schwerpunkt Gemälde wählen würde, war mir eigentlich immer klar, denn seit meiner Kindheit habe ich einen Bezug dazu. Meine Mutter hat mich oft in Ausstellungen und Galerien mitgenommen und ich habe auch selbst gerne gemalt. Die Vielfalt an Techniken, Materialien und Bildträgern finde ich aus dem konservatorischen Blickwinkel heraus spannend.
Für Dresden habe ich mich entschieden, weil ich die Stadt schön finde und weil andere Vorpraktikant:innen positiv von der Hochschule erzählt haben. Mir gefällt hier besonders, dass die kunsttechnologischen Untersuchungen eine große Rolle spielen. Weitere Praktika habe ich in der Mannheimer Kunsthalle, im Landesmuseum Darmstadt und in der Prager Nationalgalerie gemacht. Es ist mir wichtig, Einblicke in verschiedene berufliche Zusammenhänge zu bekommen.
Gab und gibt es besonders spannende Projekte und Vorlesungen im Studium?
Es gibt viele spannende Projekte. Im letzten Jahr konnte ich mich mit zwei weiteren Studentinnen in ein Gemälde aus dem Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum vertiefen. Das Gemälde war etliche Male geflickt worden, wobei bei bestimmten Flicken das Klebemittel starke Deformationen verursacht hatte. Der Bildträger hatte Löcher und Risse. Wir haben nach Absprache den Bildträger konserviert und die Deformationen reduziert. Wichtig war eine vorsichtige und systematische Herangehensweise, wozu auch einige Vortests gehörten.
Was die Vorlesungen betrifft, interessiert mich die Werkstoffkunde sehr. Wenn man theoretisch etwas lernt über die Bildträger, die Farbmittel oder das Holz kann man davon sehr viel für die Praxis mitnehmen und insgesamt ein besseres Verständnis für die Werkstoffe bekommen. In Dresden gibt es eine eigene Professur für Kunsttechnologie und wir erhalten Einführungen in verschiedene Techniken, wie die Fotografie und andere bildgebende Verfahren. Das ist hochinteressant.
Projekt von Alexandra Ziegler an der Uni über ein Gemälde aus dem Freiberger Stadt- und Bergbaumuseum






Woran arbeitest du zurzeit?
In meinem 6. Semester steht der Abschluss einer großen Seminararbeit an, die ist ähnlich umfangreich angedacht wie vergleichsweise eine Bachelorarbeit. Dafür habe ich eine griechische Ikone aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus dem Lindenau-Museum kunsttechnologisch untersucht. Mit meinem Referenten und meiner Korreferentin war ich in Altenburg und konnte mich mit dem dortigen Restaurator wunderbar austauschen. Wir durften die Ikone ausleihen, sie ist jetzt bei uns an der Hochschule. Das Objekt habe ich visuell untersucht und bildgebende Verfahren sowie naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden angewandt. Ich bin jetzt in der Schreibphase der Seminararbeit – im April ist Abgabe.
Wie geht es im Studium weiter? Hast du schon Pläne für danach?
Ich freue mich schon auf das 4. Studienjahr, in dem die Anfertigung eines kunsttechnologischen Projekts ansteht. Es besteht unter anderem die Möglichkeit, ein maltechnisches Modell von meinem Seminararbeitsobjekt anzufertigen. Damit kann man sehr schön den speziellen Aufbau der Ikonenmalerei zeigen.
Für meine berufliche Zukunft stelle ich mir ein museales Umfeld vor. Die Vielfalt der Möglichkeiten und Aufgaben dort finde ich toll. Aber zuvor möchte ich noch ein Erasmus-Praktikum machen, das ist auch kurz nach dem Diplom noch möglich. Spanien und besonders Madrid wäre mein Wunschziel. Ich war dort schonmal und fand die Stadt sehr lebendig und kulturell interessant.
Gibt es Wünsche, die du an die Hochschule richten würdest? Und an den VDR?
An der Uni fand ich die fachübergreifenden Seminare sehr spannend und würde mir mehr davon wünschen. Sich besonders auch über Themen auszutauschen, die in Dresden nicht direkt angeboten werden, ist doch sehr bereichernd.
Im VDR finde ich toll, dass die Interessengruppe der Restaurator:innen in Ausbildung sehr aktiv und unterstützend ist. Vorpraktikannt:innentreffen und Studierendenkolloquium waren sehr hilfreich, man fühlt sich weniger allein und bekommt tolle Tipps. Es gibt auch einige Foren und Gruppen in den unterschiedlichen Fachbereichen, in denen man sehr schnell Hilfe zu allen möglichen Fragen bekommt. Und ich mag den direkten Kontakt, zum Beispiel wenn der VDR auf der Messe denkmal vertreten ist. Den VDR-Stand besuche ich immer gerne.

Das Gespräch mit Alexandra Ziegler führte Gudrun von Schoenebeck von der Online-Redaktion.